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US-Umweltbehörde kündigt das Ende von Tierversuchen mit Säugetieren an

Eine Ansage mit Signalwirkung und entsprechendem Echo war Anfang September zu hören:
Die U.S. Environmental Protection Agency oder kurz EPA ist die Umweltbehörde der USA und diese lies verlautbaren, dass ab dem Jahr 2035 keine Experimente mit Säugetieren durchgeführt werden und bis dahin die Zahl kontinuierlich reduziert werden soll1. Die Antworten, welche man bis dato in Versuchen an Mäusen, Ratten, Meerschweinchen, Kaninchen und Hunden finden wollte, würden künftig durch tierversuchsfreie Methoden geliefert.
Als Grund für diesen Schritt äußert die Behörde: „Tierversuche sind teuer und zeitaufwendig.“ Darum sollen auch 4,25 Millionen Dollar in die Entwicklung tierversuchsfreier Methoden investiert und damit fünf Universitäten beauftragt werden: Johns Hopkins University, Vanderbilt University, Vanderbilt University Medical Center, Oregon State University und die University of California.

Das Echo von Tierschützer und Forschungsvertreter ließ nicht lange auf sich warten. Während die Vereinigung People for the Ethical Treatment of Animals – kurz PETA - diesen Schritt begrüßt und sogar kontruktiv begleiten wird, protestieren Forscher mit den gewohnten Argumenten, dass Versuche an Zellen beispielsweise Aufmerksamkeitsdefizite als mögliche Gefahren nicht erkennen könnten. Wie üblich übersehen die Forscher dabei die katastrophale Bilanz von Tierversuchen, welche zwar eine Antwort auf die Frage liefern, aber deren Ergebnisse alles andere als verlässlich sind. Was nützt eine Voraussage, auf welche sich die Behörde nicht verlassen kann? Zu eben diesem Schluss kommt auch die EPA und zieht die richtigen Konsequenzen, indem sie das Ende dieser Tierversuche ankündigt und die tierversuchsfreie Forschung fördert.

Diese Neuigkeit ist erfreulich und auch Berlin gegen Tierversuche begrüßt diesen Schritt ausdrücklich. Allerdings sollte auch das genaue Ausmaß beleuchtet werden. So positiv die Abkehr von Versuchen mit Säugetieren ist, schließt dies Versuche mit Vögeln, Fischen, Reptilien und Amphibien nicht ein. Diese Versuche sind vom Ausstieg explizit ausgeschlossen und können daher auch nach 2035 wie gewohnt erfolgen.
Jährlich sterben für Versuche der Umweltbehörde zwischen 20.000 und 100.000 Tiere. Diese Zahlen sind verdächtig klein für die Maßstäbe von Tierversuchsstatistiken. Zum Vergleich: In Berlin allein werden jährlich über 200.000 Tiere in Versuchen verwendet.2 Allein das Bundesland Berlin verbraucht also doppelt bis zehnmal so viele Versuchstiere wie die Umweltbehörde der USA. Das liegt daran, dass der größte Teil der Tierversuche nicht für Fragen des Umweltschutzes oder der Arterhaltung durchgeführt werden. Auch in Deutschland wurden laut aktueller Statistik von 2017 insgesamt über 2 Millionen Tiere verbraucht, darunter aber nur rund 8.500 Tiere für Fragen des Umweltschutzes und ca. 41.000 Tiere für Fragen der Arterhaltung. Davon wiederum waren für den Umweltschutz nur 2 Prozent und für die Arterhaltung 32 Prozent der Tiere Säugetiere – der überwiegende Teil waren Vögel, Amphibien, Reptilien und Fische.3
Der größte Teil der Tierversuche findet im Bereich der Grundlagen- und medizinischen Forschung statt und die Tierversuche im Bereich Umweltschutz und Arterhaltung sind zum überwiegenden Teil Experimente, bei welchen nicht auf Säugetiere zurückgegriffen wird.

Wenn die amerikanische Umweltbehörde also das Ende der Versuche an Säugetieren ankündigt, ist das ein wichtiger Schritt mit Signalwirkung an alle anderen weltweiten Umweltbehörden und auch an die Institutionen, welche Giftigkeitstestung und medizinische Forschung auf dem Rücken von Tieren betreiben. Diese Strahlkraft darf aber nicht davon ablenken, dass von diesem Entschluss nur ein äußerst kleiner Teil der heutigen Tierversuche betroffen ist. Hoffentlich folgen daher bald weitere Insititionen. Die Projekte Tox21 und EU-ToxRisk sind weitere vielversprechende Schritte in die richtige Richtung.4,5

 

Quellen:
(1) https://www.sciencemag.org/news/2019/09/us-epa-eliminate-all-mammal-testing-2035
(2) https://www.berlin.de/lageso/gesundheit/veterinaerwesen/tierversuche/versuchstiermeldung/
(3) https://www.bmel.de/DE/Tier/Tierschutz/_texte/Versuchstierzahlen2017.html
(4) https://ncats.nih.gov/tox21
(5) http://www.eu-toxrisk.eu/

Weiterführende Links:
https://www.deutschlandfunk.de/erforscht-entdeckt-entwickelt-meldungen-aus-der-wissenschaft.676.de.html?dram:article_id=458525

https://www.aerzte-gegen-tierversuche.de/de/presse/aktuelle-pressemitteilungen/3004-ausstiegsplan-aus-dem-tierversuch

https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/105995/USA-planen-offenbar-Abschaffung-von-Giftigkeitstests-bei-Tierversuchen